Am 10. Oktober 2003 wurde der Verein der Freunde von San Vincenzo ins Leben gerufen, und mit dem darauffolgenden notariellen Akt vom 19. Dezember 2003 offiziell bestätigt. Der Verein ist weltlich, überparteilich, ohne Erwerbszweck. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, das mit dem benediktinischen Mönchssitz des Hohen Volturnotals verbundene Kulturgut wiederzuentdecken und aufzuwerten.

 

SAN VINCENZO AL VOLTURNO: HISTORISCHE URSPRÜNGE

Die Abtei wird im Jahre 703 n. C. von drei jungen Mönchen aus Benevent (Paldo, Taso und Tato) gegründet, die den Grundstein legen für eine aus San Vinzeno Minore stammende  Mönchsgruppe. In den ersten 80 Jahren entwickelt sich die Abtei unter dem Schutz des logobardischen  Herzogtums von Benevent, um später seinen Aufstieg unter dem fränkisch-karolingischen Reich fortzusetzen. Unter dem Abt Autperto (778) wird San Vincenzo eine der ersten europäischen Benediktinerabteien. Auch aufgrund seiner Lage an der südlichen Grenze des Karolingerreiches werden der Abtei unter Karl dem Grossen Schutz und Privilegien angedeiht, u. a. das der Rechtsfreiheit sowie das Recht der freien Abtwahl (787).

  Während der karolingischen Herrschaft beenden die Abte Giosuè (792-817), Talarico (817-823) und Epifanio (824-842) die Erweiterungs- und Verschönerungsarbeiten der Klosteranlage, und verwandeln sie in eine wahrhaftige Klosterstadt am linken Ufer des Volturno, wo man noch heute die gewaltigen Ruinen der Basilika von San Vincenzo Maggiore und die wunderschönen Fresken der Krypta bewundern kann. Nun mächtig und berühmt, wird die Abtei im Jahre 881 von den Sarazenen angegriffen, geplündert und zerstört.

In den Jahren nach 913 wird die Abtei wiederaufgebaut, und ab 980 umgeben mit zahlreichen kleineren Siedlungen, die den Kern und das Leben der Gemeinden des Hohen Volturnotals ausmachen. Aufgrund der zunehmenden Hinterhalte durch verschiedene Angreifer und lokale Feldherren wird die Abtei umgesiedelt und völlig neu an ihrem heutigen, sichereren Standort errichtet. Im Jahre 1115 wird die Abtei von Papst Pasquale II neu geweiht. 

Ihrem gefährlichsten Angreifer muss die Abtei nach 1139 in Rutger II, König der Normannen, widerstehen. Dabei muss die Abtei einen teuren Preis zahlen für die Weigerung der Mönche, einen Abt von Rutgers Gunst zu wählen, sowie für ihr Autonomiebestreben und der Treue gegenüber der Römischen Kirche, woraufhin Rutger II der Abtei all ihre Schätze und ihre Macht entzieht. In den Jahren nach 1150 tragen verschiedene Ereignisse natürlicher und anderer Art zum Untergang der Abtei bei, deren Geschichte damit unterbrochen wird.

  Erst einige Jahrhunderte später erwacht die Abtei zu neuem Leben, wobei den folgenden Ereignisse besondere Bedeutung zukommt:

1832: Zufällige Entdeckung der Krypta des Epifanius.

1942: Schenkung der Besitztümer der Abtei von San Vincenzo al Volturno an Montecassino unter dem Herzog Catemario.

1965: Nach Ende des Zweiten Weltkrieges Wiedererrichtung der Abteibasilika nach einem Projekt von Don Angelo Pantoni, Mönch aus Montecassino, und deren Einweihung.

1980: Beginn der Ausgrabungsarbeiten unter Prof. Richard Hodges der British School in Rom.

1990: Am 14. Mai Besiedelung des Klosters durch Benediktinernonnen aus der Abtei Regina Laudis in Connecticut (USA), welche das Kloster zu neuem Leben erwecken, das weiterhin eine Enklave des Klosters von Montecassino bleibt.

1993: Gründung des Archäologieparks mit Unterstützung der Region Molise durch den Abt Bernardo D’Onorio, der gleichzeitig die Verwirklichung der Arbeiten zur Aufwertung der Mönchsstadt San Vincenzo al Volturno einleitet.

1997: Fortsetzung der Ausgrabungen, Forschungs- und Restaurationsarbeiten sowie der Studien unter der archäologischen Abteilung des Instituts Suor Orsola Benincasa aus Neapel, unter der Aufsicht der archäologischen Oberintendanz (Molise) und der Region Molise.

Die Dörfer des San Vincenzo Landes:

Acquaviva d'Isernia Cerasuolo di Filignano Castel San Vincenzo Cerro al Volturno
Colli a Volturno Filignano Forli del Sannio Fornelli
Montaquila Montenero Valcocchiara Pizzone Rionero Sannitico
Rocchetta a Volturno S. Maria Oliveto San Pietro Avellana Scapoli

 

 

Vastogirardi

Sant'Angelo del Pesco

DIE WIEDERGEBURT

In dieser Gegend des Hohen Volturnotals, umrahmt von Naturschönheiten im Herzen des Abruzzennationalparks, finden sich viele Anzeichen der Kultur und Zivilisation der Benediktiner. Diese betreffen vor allem:

  q       die Geschichte des Hochmittelalters (schriftlich oder mündlich überliefert), im Lauf derer der Abtei 500 Jahre nach ihrer Gründung eine führende Rolle in verschiedenen Situationen zukam: die päpstlichen Beziehungen, der longebardische Herzog von Benevent, das fränkisch-karolingische Reich, das byzantinische Reich, das Königtum der Normannen, die übrigen Abteien (vor allem Montecassino), die weiteren Gemeinden,

q       die Auffindung archäologischer Überreste mit den Überbleibseln der Schutzmauern sowie Malereien, die einige Forscher dazu veranlasst haben, die Anlage von San Vincenzo al Volturno als das „Pompeji des Mittelalters“ zu bezeichnen.

q       Die Zeugnisse antiker Zivilisationen: Herstellung und Buchbindekunst, Metall-, Glas- und Emailverarbeitung, Keramik- und Terrakottaverarbeitung, Glockengießkunst.

q       Manuskripte (u.a. der „Chronicon Vulturnense“ des Abtes Giovanni, aufgezeichnet zwischen 1115 und 1136); der „Kommentar zur Apokalypse“ verfasst von Abt Autperto, sowie weitere Werke die zur Verbreitung des Kultes der Maria Fürsprecherin im Westen beitrugen,

Die heutige Gegenwart des Mönchstums: ein Zeichen des Lebens, des Fortbestandes, der religiösen und geistigen Betrachtung, der kulturellen und handwerklichen Tätigkeit, die in der Stille der täglichen Arbeit und des Gebets diese antiken Tätigkeiten und Traditionen wiederaufleben lässt.

Seit einigen Jahren ist die Abtei Schauplatz verschiedener internationaler religiöser und kultureller Zusammenkünfte:

q       1982: Das erste Studienzusammentreffen zum Thema des Meridionalen Mittelalters: Una grande Abbazia altomedioevale nel Molise.

q       2000: Seminar mit dem Thema „Rolle und Perspektiven des Benediktinischen Mönchtums in der Gesellschaft des dritten Jahrtausends“,  organisiert von dem Abt von Montecassino sowie dem Lions Club von Isernia.

q       2002: Besuch des Präsidenten der Republik C.A. Ciampi.

Des weiteren finden Kurse über das religiöse Apostelsamt statt, welche sich an Menschen wenden, die auf der Suche nach einem geistigen Sinn ihres Lebens und ihres Tuns sind. Von mindestens drei Monatiger Dauer, werden sie organisiert von der Mönchsgemeinschaft („Esperienza Culturale Monastica“ ECM) und finden im Kloster selbst statt. 

Außerdem findet Musikunterricht zur Vorbereitung und/oder Vervollkommnung sowie Wettbewerbe klassischer Musik für junge Talente (Klavier, Gitarre) statt, veranstaltet vom städtischen Tourismusbüro (Pro loco) von Rocchetta al Volturno.

Es gibt reichhaltiges Material über San Vincenzo al Volturno von unterschiedlichen Autoren. An dieser Stelle möchten wir als kleinen Auszug die folgenden Bücher nennen, erschienen in italienischer Sprache:

 

q       1980: Le chiese e gli edifici di San Vincenzo al Volturno, A. Pantoni – Verlag: Abbazia di Montecassino;

q       1985: I Convegno di studi sul Medioevo meridionale: Una grande Abbazia altomedioevale nel Molise - San Vincenzo al Volturno a cura di don F. Avagliano - Verlag: Abbazia di Montecassino;

q       1994: San Vincenzo al Volturno: architettura ed arte, F.Valente - Verlag: Abbazia di Montecassino;

q       1994: La basilica di Josue, R. Hodges, J. Mitchell - Verlag: Abbazia di Montecassino;

q       1994: Cultura e società a San Vincenzo al Volturno, AA.VV. a cura di F. Marazzi - Verlag: Abbazia di Montecassino;

q       1995: San Vincenzo al Volturno - Dal Chronicon alla Storia, AA.VV. - Istituto Storico Regionale del Molise, a cura di G. De Benedictis, Verlag: C. Iannone Editore, Isernia;

q       1997: Storia dell'arte nell'Italia Meridionale dai Longobardi agli Svevi, F. Abate - Verlag: Donzelli;

q       2004: San Vincenzo al Volturno, AA.VV. - Istituto Storico Regionale del Molise, a cura di N. Paone, Verlag: Iannone Editore, Isernia.

 

Außerdem  gibt es auf dem Gebiet des antiken San Vincenzo Landes in der Umgebung der gleichnamigen Abtei verschiedene Initiativen sowie wiederentdeckten Traditionen von hoher kultureller Bedeutung:

In Castel San Vincenzo befindet sich ein archäologisches Museum indem zahlreiche Überreste aus dem archäologischem Fundgut aus San Vincenzo al Volturno ausgestellt werden; des weiteren Kulturvereine wie z.B. „Tremisse“ und „Onorato Fascitelli“ zur geschichtlichen, künstlerischen und umweltfreundlichen Aufwertung des Gebietes.

In Castelnuovo al Volturno wird einmal jährlich am letzten Karnevalssonntag die „Pantomime des Hirschmannes“ veranstaltet.

In Scapoli befindet sich das nationale Dudelsackmuseum welches selbige Instrumente aus aller Welt ausstellt und den Besucher vertraut macht mit einer Jahrhunderte alten Tradition.

Der Abruzzen, Latium und Molise Nationalpark leitet zwei Naturmuseen: das Bärenmuseum in Pizzone sowie das Museum der apenninischen Fauna in Castel San Vincenzo.

In San Pietro Avellana, einem bekannten Urlaubsort, ist es möglich den berühmten schwarzen Trüffel zu probieren, der heimisch ist in den dortigen Wäldern.

Montenero Valcocchiara ist bekannt für sein jährliches „Rodeo Pentro“ sowie für das wunderschöne Hochplateau „Pantano“ ca. 1000 m über dem Meeresspiegel, auf dessen grüner Ebene Hunderte wildlebende Pferde weiden.

In nächster Zukunft wird der Verein Initiativen beginnen, um das mit San Vincenzo al Volturno verbundene Kulturgut aufzuwerten, im Einklang mit der geweihten Umgebung und dem Einverständis des Abtes von Montecassino. Diese Initiativen werden zu verschiedenen Zeiten und auf unterschiedliche Weise jedoch mit einem gemeinsamen Ziel, vorangehen

 

AUFWERTUNG DER VERGANGENHEIT MIT EINEM BLICK IN DIE ZUKUNFT

Zur Wiederentdeckung der Wurzeln, der Vergangenheit und der Kultur der Benediktiner Stätten, die zerstreut sind in der Region Molise und/oder anderen Regionen, werden Begegnungen, Debatten und Zusammentreffen organisiert sowie Studien- und Forschungsarbeiten ausgeführt. Die Sensibilisierung der Schüler der unterschiedlichsten Schulen sowie der Bürger der Umgebung wird fortgesetzt, damit San Vincenzo al Volturno nicht als geschichtliche Kuriosität betrachtet, sondern stattdessen die historisch-kulturelle Bedeutung bewusst wird.

Die Mönchsgemeinschaft von San Vincenzo al Volturno wird unterstützt, um die typischen handwerklichen Fähigkeiten der Benediktiner Zivilisation weiterzugeben, Sie reichen von der wertvollen Buchbindekunst zur Bearbeitung von Metallen, Email und Keramik.

Allen Besuchern soll die Möglichkeit gegeben werden, die Ausgrabungsstätten zu besichtigen, welches auch die notwendige Ausstattung für einen Behinderten gerechten Zugang sowie touristische Einrichtungen mit einschließt: Parkmöglichkeiten, sanitäre Anlagen, eine Bar und eine Buchhandlung.

Es gilt, das Bewusstsein zu fördern, dass eine korrekte und fachgemäße Aufwertung San Vincenzo al Volturnos vor allem dazu beiträgt, die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern und Arbeitsplätze zu schaffen.

Die Planung und mögliche Verwirklichung eines Studienzentrums der Benediktiner und/oder der hochmittelalterlichen Kultur sollte unterstützt werden. Dazu wird die Zusammenarbeit mit allen zuständigen Behörden angestrebt: dem Abt von Montecassino, der Region Molise, der Provinz Isernia sowie den Gemeinden des Hochvolturnotals, welche um das Jahr 1000 herum von den Mönchen der Abtei selbst gegründet wurden: Acquaviva, Castelnuovo, Castel San Vincenzo/Castellone, Cerasuolo (Filignano), Cerro, Colli, Forli del Sannio, Fornelli, Montaquila, Pizzone, Rocchetta, S. Maria Oliveto (Pozzilli), Scapoli, Rionero Sannitico und Montenero Valcocchiara und zuguterletzt San Pietro Avellana, seit jeher geistig verbunden mit sowohl San Vincenzo al Volturno als auch Montecassino. In der Tat trägt der Abt von Montecassino auch den Titel des Abtes von San Pietro Avellana.

 

Information and contacts

Friends of S. Vincenzo al Volturno Non-Profit Organization

c/o Palazzo della Provincia – Via Berta, 1 – 86170 Isernia

  Address:  Dino Ricci – Via Emilia, 7 – 86170 Isernia

www.amicidisanvincenzo.it

Tel. 0865 412608

  San Vincenzo al Volturno Abbey

Tel. 0865 955246 – 952979 (hours 10 a.m. / 12 p.m. – 3 p.m. / 5 p.m. )

www.sanvincenzoabbey.org

  Montecassino Abbey – Tel. 0776311529

Archaeological Mission – Tel. and fax 0865 951016

www.sanvincenzoalvolturno.it

Tremisse Association (Guides)

Tel. 333 6972803 – 349 4125856 – 0865951368  

 

 

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